Donnerstag, 17. Mai 2012

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Impfen gegen Krebs: Unterstützt die Chemotherapie

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Impfung: Neue Alternative in der Behandlung

Eine neue Impfung soll die Behandlungsalternativen bei Brustkrebs verbessern. Und gleichzeitig die Überlebenschancen erhöhen. Die Impfung wird derzeit an vier Brustzentren in Österreich untersucht. Für erkrankte Frauen aus Deutschland bestehen unter bestimmten Voraussetzungen Möglichkeiten, an der Studie teil zu nehmen.

Der Krebsimpfstoff trägt den kryptischen Namen IGN101. Jetzt hat die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) zusammen mit dem Hersteller eine klinische Phase III Studie zur Behandlung von solchen Brustkrebs-Patientinnen begonnen, die nach der operativen Entfernung des Tumors mit einem höheren Rückfallsrisiko rechnen müssen. Die Studie dient als Basis für die Zulassung von IGN101 in dieser Indikation.

Die Studie wird mit 600 Brustkrebspatientinnen an den Brustkrebszentren in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz durchgeführt. Getestet wird der Impfstoff an Frauen, bei denen der Primärtumor entfernt ist und keine Metastasen vorhanden sind ("adjuvantes Setting"). Ihnen wird der Impfstoff direkt nach der Operation zusätzlich zur Standard-Chemotherapie injiziert. Die Kontrollgruppe wird ausschließlich mit Chemotherapie behandelt.

Die Funktion des Impfstoff ist es, wie der Studienarzt Prof. Dr. Stephan Braun, Innsbruck, erklärt, das körpereigene Abwehrsystem zu stärken. Gegen das geimpfte Protein bildet der Körper Abwehrkörper, die den Tumor direkt bekämpfen. Dadurch sollen die Tumorzellen zerstört und in weiterer Folge die Bildung von Metastasen verhindert oder zumindest verzögert werden. In vorangegangenen Untersuchungen wurde bei allen behandelten Patientinnen ein Bildung von Antikörpern nachgewiesen, weiß Braun. Und Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz, Präsident der ABSCG ergänzt, dass die bisherige medizinische Forschung hat vor allem Brustkrebspatientinnen der low risk-Gruppe Vorteile gebracht hat.

Braun betont, dass an der Studie auch Frauen aus Deutschland teilnehmen können. Mehr zu den Einschlusskriterien für die Studie können interessierte Patientinnen auf der Website der ABSCG unter http://www.abcsg.at/studie20.htm nachlesen. Bei Fragen und der Zuteilung auf ein zuständiges Brustzentrum steht die ABSCG unter der Email-Adresse protokoll20@abcsg.at interessierten Frauen zur Verfügung.

So wirkt IGN101
IGN101 soll eine Immunantwort hervorrufen, die zur Zerstörung disseminierter Tumorzellen führt und dadurch die Entstehung von Metastasen verhindert oder verzögert. Weltweit sind mehrere Krebsimpfstoffe (aktive Immuntherapien) in Erprobung, die meisten davon aber in wesentlich früheren Stadien der Entwicklung. Der Impfstoff ist ein dem Menschen fremdes Protein. Nach der Injektion wird es vom Immunsystem als fremd erkannt und löst eine Immunreaktion aus. Gleichzeitig ist das Protein so aufgebaut, dass es strukturelle Ähnlichkeit mit dem Protein-Tumor-Antigen EpCAM hat, das vermehrt an der Oberfläche der meisten Krebszellen auftritt. Wenn das Immunsystem durch den Krebsimpfstoff aktiviert ist, erkennt es EpCAM als fremd und sorgt auch für die Eliminierung von Krebszellen.

IGN101 wurde bisher an 350 Patienten klinisch erprobt. In einer früheren klinischen Studie an der Medizinischen Universitätsklinik Graz (einem ABCSG Zentrum) wurde bereits nachgewiesen, dass IGN101 kaum Nebenwirkungen hervorruft. Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg von der Medizinischen Universitätsklinik Graz: "Aus dieser Studie gibt es auch bereits erste Wirkhinweise, dass die Therapie mit IGN101 zur Abnahme disseminierter Tumorzellen im Blut führt." Eine Phase II Studie in Graz hat darüber hinaus den Nachweis erbracht, dass die Vakzine auch bei gleichzeitiger Verabreichung von Chemotherapie eine starke Immunantwort auslöst. "Dies ist ein wissenschaftlich überraschendes Ergebnis und eine notwendige Voraussetzung für das Design dieser Brustkrebsstudie", so Samonigg. Die Phase III Brustkrebs-Studie hat zwei Endpunkte: die Zeit bis zum Wiederauftreten der Krankheit ("relapse free survival") und Gesamtüberlebenszeit ("overall survival"). Beides sind wichtige Parameter für die die Zulassung eines Medikaments. Das Wirkprinzip wird im übrigen auch bei Lungen- und Darmkrebs in klinischen Studien überprüft.

WANC 02.04


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