Montag, 11. Dezember 2017

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"Fehlgeburt oder Abtreibung haben keine Nebeneffekte auf das spätere Brustkrebsrisiko der Frauen"

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Abtreibung: Erhöht nicht das Risiko

Frauen, die eine Abtreibung oder eine Fehlgeburt durchgemacht haben, tragen keine höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Diese Erkenntnis beruht auf einer großen Studie.

Es gibt einige Experten, die streng behaupten, dass eine Abtreibung das Risiko für Brustkrebs erhöht. Auch verschiedene Studien sollen diese Meinung belegen. Allerdings existieren Zweifel, ob die Umstände dieser Untersuchungen strengen wissenschaftlichen Kriterien stand halten. Vor allem deshalb, weil Kritik an der Art der Studien und der Datenquellen geäußert werden.

Ein Problem liegt besonders darin, dass betroffene Frauen nicht exakt über eventuelle Abtreibungen Auskunft geben. Außerdem unterscheidet sich das Informationsverhalten bei den Frauen, erheblich voneinander, abhängig davon ob eine Brustkrebserkrankung diagnositziert wurde oder nicht. Ein Beispiel: In einer schwedischen Studie machten 21 Prozent der Frauen mit Brustkrebs aber 27 % der Frauen ohne Diagnose eine nachprüfbar falsche Angabe, keine Abtreibung vorgenommen zu haben.

Jetzt hat die Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer, Oxford, England, 53 Studien aus 16 Ländern erneut analysiert. Dabei wurden die Daten von insgesamt 83.000 Frauen geprüft. Alle systematischen Fehler wurden ausgeschaltet und die Studienergebnisse neu bewertet. Das Ergebniss: Die Daten lassen keine Erhöhung des Brustkrebs-Risikos für Frauen vermuten, die eine Fehlgeburt oder eine Abtreibung hinter sich haben.

Es waren Daten von 44 000 Frauen aus älteren Studien zugänglich, in denen eine - oft viele Jahre zurückliegende - Abtreibungshistorie aufgezeichnet und bei denen Brustkrebs festgestellt worden war. Die Ergebnisse wurden als "relatives Risiko", an Brustkrebs zu erkranken, ausgedrückt; sie vergleichen die Wahrscheinlichkeit für Frauen mit und ohne Abtreibungshistorie, an Brustkrebs zu erkranken. Ein relatives Risiko von 1,0 oder unter 1,0 würde hiernach keine Nebeneffekte der Abtreibung auf das Brustkrebsrisiko ausdrücken. Bei diesen Studien lag das mittlere Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, bei 0,89 für Frauen, die schon einmal eine Fehlgeburt hatten, und bei 0,93 für Frauen, die eine Schwangerschaft abgebrochen hatten. Hieraus lässt sich also kein erhöhtes Brustkrebsrisiko durch eine Abtreibung ableiten. Auch die Zahl der Abtreibungen stand in keinem Zusammenhang mit einer Veränderung des Brustkrebsrisikos.

Daten von 39 000 Frauen mit Brustkrebs aus potenziell weniger gut abgesicherten Studien (bei denen die Frauen erst nach der Brustkrebsdiagnose über vorangegangene Abtreibungen befragt worden waren) ergaben im Mittel wenig glaubwürdige Ergebnisse. Professor Richard Peto kommentiert das folgendermaßen: "Studien können zu irreführenden Ergebnissen kommen, wenn die Frauen erst nach der Brustkrebsdiagnose über vorangegangene Abtreibungen befragt werden. Das kann daran liegen, dass Frauen mit Brustkrebs eher als andere Frauen frühere Abtreibungen verschweigen."

Professor Valerie Beral kommentiert: "Die Gesamtheit der weltweiten epidemiologischen Daten weist darauf hin, dass Schwangerschaften, die als Fehlgeburt oder als Abtreibung enden, keine Nebeneffekte auf das spätere Brustkrebsrisiko der Frauen haben."


WANC 04.03
Quelle: The Lancet, 2004, 363, 1007


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