Sonntag, 25. Juni 2017

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Künstliches Licht: Stört die Bildung von Melatonin

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Brustkrebs durch Kunstlicht

Kunstlicht kann das Brustkrebsrisiko erhöhen. Davon sind inzwischen viele Wissenschaftler überzeugt. Kunstlicht soll das Hormonsystem durcheinander bringen und auf diese Weise für mehr Tumorerkrankungen sorgen.

Dafür, dass künstliches Licht für das Entstehen von Brustkrebs verantwortlich sein könnte, existieren schon seit längerem Hinweise. Erstmals im Jahre 1987 stellte der amerikanische Mediziner Richard Stevens die heftig umstrittene Hypothese auf, nach der zwischen Licht in der Nacht und der Zunahme von bestimmten Krebsarten ein Zusammenhang bestehen sollte. Aus dem Jahre 1999 stammen Meldungen über die Gefahr, dass zuviel künstliches Licht unter anderem auch Brustkrebs begünstigen könne. Forscher der Universität von Connecticut hielten es für möglich, dass elektrisches Licht die Produktion des Hormons Melatonin im Schlaf stört. Ihre Vermutung: Zu wenig Melatonin lässt möglicherweise eine zu große Menge des weiblichen Sexualhormons Estrogen entstehen, wodurch es auch zu Brustkrebs kommen könnte.

Die Sorge wird durch einige neuere Studien bekräftigt. Beispielsweise veröffentlichten Forscher des Fred-Hutchinson-Zentrums für Krebsforschung in Seattle im Jahre 2001 (Journal of the National Cancer Institute, Bd. 20, S. 1557) das Ergebnis einer Untersuchung Sie hatten über 800 Frauen mit Brustkrebs nach ihren Arbeitsrhythmen in den vergangenen zehn Jahren befragt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Brustkrebsrisiko mit der Häufigkeit und der Länge von Nachtschichten deutlich ansteigt. Die Erkenntnis der Wissenschaftler: Häufige Nachtschichten können bei Frauen das Risiko für Brustkrebs verdoppeln. Bereits gelegentliche Nachtarbeit erhöht das Risiko um das eineinhalbfache.

Im April 2002 veröffentlichte Eva Schernhammer, Wissenschaftlerin an der Harvard Medical School in Boston, Daten von über 120.000 Krankenschwestern, die sie auf den Zusammenhang zwischen Nachtschichten und dem Brustkrebsleiden untersucht hatte (Journal of the National Cancer Institute, Vol. 94. No. 7, 532-533, April 3, 2002). Dabei erhärtete sich der Verdacht: Krankenschwestern, die häufig nachts arbeiten, haben ein höheres Krebsrisiko. Es liegt nach 15 Jahren regelmäßiger Nachtarbeit um bis zu einem Drittel höher als üblich.

Professor George Brainard, Neurologe an der Thomas Jefferson University, Phiadelphia, hat in einem Versuch die Zusammenhänge erforscht. Studenten durften die Nacht hindurch kein Auge schließen und wurden unterschiedlich farbigem Licht ausgesetzt. Am Morgen wurde ihr Blut untersucht. Dabei stellte Brainard fest, dass vor allem blaues Licht das krebsschützende Melatonin absinken lässt, während rotes Licht sich als relativ harmlos erwies.

Bringen also durchwachte Nächte und Kunstlicht die biologische Uhr und mit ihr die Melatonin-Produktion durcheinander? Wie die Zeitschrift Vital berichtet, bestätigt das der Brustkrebsspezialist Dr. Kay Friedrichs vom Mammazentrum Hamburg . "Eine Schlüsselrolle spielt das körpereigene Hormon Melatonin", betont der Experte. "Es wird vor allem nachts gebildet, wenn es dunkel ist. Das Schlafhormon wiederum sorgt für eine reguläre Produktion von Östrogenen."

Halte sich die Frau aber übermäßig viel und besonders nachts in Kunstlicht auf, werde weniger Melatonin gebildet. "Wird weniger Melatonin hergestellt, steigt der Östrogenspiegel im Blut. Und wir wissen ja, dass eine hohe Östrogenkonzentration die Entstehung von Brustkrebs fördert."

Als Schutz vor solchen Risiken rät Friedrichs, sich tagsüber mindestens 1 Stunde lang im Tageslicht aufzuhalten, 2 Stunden vor Mitternacht ins Bett zu gehen und 7 bis 8 Stunden zu schlafen. Und wenn man schon Kunstlicht benötige, dann sollte besser ein schwaches gelbes als ein helles weißes Licht eingesetzt werden.

WANC 04.04


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