Fünfzig Prozent aller Diagnosen, die anhand einer Mammographie erstellt werden, sind falsch.
Das behauptete der Radiologe und Brustkrebsspezialist Dr. Toni Birtel. Der Arzt prangerte sowohl unterbelichtete und unscharfe Dokumente, also auch die oftmals nicht ausreichende Organerfassung bei der Bilderstellung an. Besonders beklagte er aber die mangelnde Ausbildung vieler Radiologen in der richtigen Beurteilung der Mammographien.
"Schlechte Aufnahmen werden akzeptiert und von Kolleginnen und Kollegen leichtsinnig und grob fahrlässig befundet, gleich welches Schicksal dieser Beurteilung folgen mag", stellte er fest. Er wurde aber noch drastischer: In Deutschland sei derzeit eine "Freizeit- und Hobbymammographie" zu beobachten, die es mit sich bringe, dass Radiologen mit mangelnder Kompetenz "in der freien Wildbahn der Niedergelassenen auf eine ohnehin schon zu kleine, zudem aber auch noch ahnungslose Frauengruppe losgelassen werden".
Screening hält er nicht für die Lösung der "erschreckenden Zustände" in der Bundesrepublik. Etwa 23 bis 37 Prozent aller Brusttumore werden dennoch übersehen, das hätten Studien gezeigt. Birtel forderte mindestens 60 qualifizierte Früherkennungszentren mit erfahrenen, verantwortungsbewussten Radiologen, die diagnostisch sicher arbeiten und auch die Flut der dringend notwendigen Zweitmeinungen bewältigen können.
Einzelne Vorstöße, wie vom 1. Januar 2003 an allen Frauen ab 50 die erstattungsfähige Mammographie zuzusichern, führen nach Birtels Meinung weit an der Realität der derzeitigen Kapazitäten vorbei. Grundsätzliche politische Entscheidungen seien notwendig, um die Bundesrepublik aus dem mammographischen "Niemandsland" herauszuholen. Angesichts von 50.000 Krebsneuerkrankungen und einer Mortalitätsrate von 20.000 pro Jahr begrüße er "jede Maßnahme, die das Bewusstsein der Frauen für Eigenverantwortung sowie die Kritik am bestehenden System stärkt".
WANC 04/02, PZ