Gerade ältere Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko nehmen zu selten die Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch.
Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 1.000 Bundesbürgerinnen im Alter zwischen 40 und 75 Jahren hervor. Die deutsche Sektion der Selbsthilfeorganisation Women's Health Coalition und die Frauenselbsthilfe nach Krebs wollen deshalb zusammen mit der Barmer Ersatzkasse eine Aufklärungskampagne starten. Ziel sei es, 70 Prozent aller Frauen in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren zur Brustuntersuchung beim Frauenarzt zu bewegen, sagte Irmgard Naß-Griegoleit von der Women's Health Coalition. Derzeit würden nur 44,5 Prozent mindestens alle zwei Jahre eine Brustdurchleuchtung (Mammographie) vornehmen lassen. 55,5 Prozent würden sich selten oder nie überhaupt von einem Frauenarzt auf Brustkrebs untersuchen lassen.
"Die Studie zeigt, dass bei Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren eine Informations-, Kommunikations- und Versorgungslücke besteht", bemängelte Naß-Griegoleit. "Obwohl die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, in dieser Altersgruppe am höchsten ist, gehen die Frauen immer seltener zum Frauenarzt." Bei etwa jeder 20. Frau wird im Alter von 60 bis 69 Jahren Brustkrebs diagnostiziert. Das ist damit das Lebensjahrzent mit dem höchsten Anteil.
Knapp 80 Prozent der Brustkrebspatientinnen in Deutschland sind älter als 50 Jahre, wenn die Erkrankung diagnostiziert wird, erklärte Ute-Susann Albert, Oberärztin für Frauenheilkunde an der Philipps-Universität-Marburg. Die Früherkennung in der Bundesrepublik hinke hinter den USA hinterher. Während in den USA in 55,3 Prozent der Untersuchungen Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert werde, seien es in Deutschland nur 41,8 Prozent. Je früher Brustkrebs erkannt werde, desto größer sei die Überlebenschance.
Die Barmer Ersatzkasse plane eine Versichertenbefragung und die gezielte Einladung zu einer Mammographie, hob Klaus Richter, Vorstandsmitglied der Kasse, hervor. Ein Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren wurde bundesweit mit Jahresbeginn 2003 wirksam. Der Nutzen der Früherkennung überwiege dabei die Risiken durch eine erhöhte Strahlenbelastung der Brustuntersuchung, versicherten Fachleute.
WANC 02.03